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Schärfentiefe vs. Tiefenschärfe: Mit (Un)schärfe arbeiten

Eines vorweg: Über die Richtigkeit der Begriffe Tiefenschärfe oder Schärfentiefe gibt es seit über einhundert Jahren - kein Scherz - erbitterte Diskussionen. Und auch wenn ich durchaus an Linguistik interessiert bin, verweise ich an dieser Stelle der Einfachheit halber auf diesen externen Blogeintrag und verwende hier den Begriff "Tiefenschärfe".

Mit Tiefenschärfe und vor allem mit Tiefenunschärfe zu arbeiten, ist eines der beliebtesten und meiner Meinung nach schönsten Mittel in der (DSLR-)Fotografie, um Stimmungen hervorzurufen und - in den ja naturgemäß zweidimensionalen Fotos - Tiefenwirkung zu schaffen. Das Spiel mit der Tiefenschärfe verleiht Ihren Bildern buchstäblich eine zusätzliche Dimension.

Voraussetzungen für Tiefenschärfe

Um einen kleinen Schärfebereich, also eine niedrige Tiefenschärfe (englisch: "depth of field", "DoF") zu erzeugen und Motive von Hinter- und Vordergrund freizustellen, gibt es bestimmte Voraussetzungen. Grob zusammengefasst:

  • Je größer der Sensor Ihrer Kamera ist, desto größer wird relativ betrachtet auch die Tiefenunschärfe (z.B. im Vergleich einer Crop-Sensor-Kamera wie der Canon 700D oder der Nikon D5300 mit einer Vollformatkamera wie der Canon 5D oder der Nikon D750). Das ist auch der Grund, warum "kleine" Digicams nahe zu keinen unscharfen Bereich in Fotos erzeugen können: Die Sensoren sind hier deutlich kleiner als z.B. in einer DSLR.
  • Je länger die Brennweite, desto größer die Tiefenunschärfe.
  • Je größer (= je weiter geöffnet) die Blende, desto größer die Tiefenunschärfe. Die Blende ist in meinem fotografischen Alltag der häufigste Faktor, mit dem ich Tiefenschärfe reguliere. (Mehr zum Thema Blende lesen Sie hier.)
  • Je weiter das Motiv (bzw. der Fokuspunkt) von der Kamera entfernt ist, desto schwieriger wird es, dieses Motiv freizustellen.

Nun sind das sehr theoretische Prämissen. Ich möchte sie Ihnen anhand eines kurzen Beispiels anschaulicher machen. Folgendes ist der Ausgangspunkt: Sie nehmen mit einer Crop-Kamera bei ƒ/4.0 ein Ganzkörperportrait mit einem 35mm-Objektiv auf.

(1) Wechseln Sie von dem Crop-Sensor aufs Vollformat, können Sie bei gleichem Bildausschnitt mehr unscharfen Bereich erzeugen.

(2) Verwenden Sie nun statt dem 35mm-Objektiv zum Beispiel ein 100mm-Objektiv, steigt die Tiefenunschärfe.

(3) Wird die Blende z.B. auf ƒ/2.8 oder auf ƒ/2.0 geöffnet, erhalten Sie erneut mehr Unschärfe.

(4) Nehmen Sie statt einem Ganzkörperportrait nun z.B. ein Schulterportrait auf, wird der Schärfebereich erneut deutlich geringer.

Schärfe und Unschärfe geschickt und sinnvoll einsetzen

Ich erinnere mich noch an meine ersten Fotos mit Freistelleffekt: Ich hatte mein 18-55mm-Kitobjektiv gerade durch eine 50mm-Festbrennweite mit der Offenblende ƒ/1.4 (statt vorher ƒ/3.5-ƒ/5.6) ersetzt, und so verbrachte ich die ersten Tage mit der neuen Linse durchs Haus und die nähere Umgebung laufend, wo ich dann zahllose (und relativ wahllose) Gegenstände - Wassergläser, Blumen, Bäume, Ziegelsteine,... - komplett offenblendig ihrem Hintergrund entriss. Und so unspektakulär die Fotos im Nachhinein auch aussehen mögen: Meine Begeisterung für das "Bokeh", wie der unscharfe Bereich aus dem Japanischen kommend häufig genannt wird, war in jedem Fall geweckt.

Über die Jahre hinweg habe ich einen etwas maßvolleren Umgang mit Tiefenschärfe gelernt und möchte Ihnen kurz erläutern, warum.

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Mit Tiefenunschärfe umgehen: der pragmatische Approach

Der erste Grund, warum das Fotografieren mit Offenblende und superdünnem Schärfebereich nicht immer zielführend ist, ist ein ganz pragmatischer: Besonders bei bewegungsreichen Fotos oder solchen, die nicht wiederholbar sind, z.B. Hochzeiten, sollte man darauf bedacht sein, am Ende wenigstens einige scharfe Bilder auf der Speicherkarte zu haben. Das ist nicht immer garantiert. Denke ich nur an mein wundervolles, aber im Fokussieren recht behäbiges 85mm ƒ/1.2-Objektiv, würde ich tunlichst vermeiden, aufgeregte Situationen mit ƒ/1.2 zu fotografieren. Selbst im höchst kontrollierten Studioumfeld muss ich schließlich bei Offenblende meist noch die Hälfte der Bilder aussortieren.

Nichts ist außerdem ärgerlicher, einen schönen Moment festgehalten zu haben - und dann im Nachhinein feststellen zu müssen, dass der Schärfebereich an der falschen Stelle liegt. Mit Tiefenunschärfe sollte man nur arbeiten, wenn man die Resultate auch kontrollieren kann.

Mit Tiefenunschärfe umgehen: der ästhetische Approach

Der zweite Grund, Tiefenunschärfe vorsichtig zu genießen, führt mich zu einer ästhetischen Überlegung. Denn: Bokeh ist eine wundervolle Sache. Aber auch guter Wein ist eine wundervolle Sache. Und Schokolade. Sie ahnen, worauf ich hinauswill: auf den Appendix "in Maßen". So sehnlich ich auch das neueste Album meines Lieblingsinterpreten erwartet haben mag; wenn ich es nach Erscheinen dann über Wochen hinweg mehrmals täglich höre, verliert es unvermeidlich seinen Zauber.

Ähnlich verhält es sich mit dem Bokeh. Für ein paar Tage entdeckt man damit ganz neue Welten - danach sollte man sich aber wieder vor Augen rufen, dass die Arbeit mit Unschärfe auch nur das Mittel zum Zweck ist, und nicht der Zweck selbst. Schließlich ist das erste Ziel des Fotografierens, schöne, vielleicht bewegende, ausdrucksstarke Bilder zu schießen.

Dazu kann die Arbeit mit Tiefenunschärfe definitiv beitragen, keine Frage. Behalten Sie nur im Hinterkopf, dass auch das weichste, schönste Bokeh kein misslungenes Foto zu einem guten macht.

Tipps für den Umgang mit Bokeh

Natürlich gibt es keine Faustregeln für den Einsatz von Unschärfe in der Fotografie. Ich möchte Ihnen trotzdem einige Ideen mit an die Hand geben, die in meinem Alltag als Portraitfotograf entstanden sind.

Zunächst einmal liebe ich geringe Tiefenschärfe bei Schulter- oder Kopfportraits. In einem eng zugeschnittenen Portrait nur die Augen wirklich scharf abzubilden, sodass Schultern und Haare bereits leicht verschwimmen, kann eine ungemein persönliche und intime Atmosphäre schaffen. Besonders der Aspekt der Tiefenwirkung ist hier nicht zu unterschätzen: Ich fotografiere zum Beispiel auch im Studio gerne mit Tiefenunschärfe, einfach um trotz des neutralen Hintergrunds unterschiedliche Bildebenen im Foto zu zeigen. Ein weicher Schärfeverlauf kann Portraits immensen Charakter verleihen - bewusst eingesetzt.

Ähnliches gilt für Outdoor-Fotos: Besonders unruhige Hintergründe lassen sich mit einer Oberkörperaufnahme z.B. bei ƒ/1.2 wunderbar "glattbügeln" und das Motiv auf diese Weise freistellen. Auch hier gilt es allerdings, Vorsicht zu wahren: Allzu extremer Unschärfe sind viele Menschen inzwischen überdrüssig. Manchmal sind Hintergründe auch einfach schön und zeigenswert und tragen zu einer besseren Bildwirkung bei, sodass man die Blende auch gerne bisweilen auf ƒ/4.0 oder ƒ/2.8 schließen darf.

Kurzum: keep your eyes on the prize! Also - verlieren Sie nicht das Ziel aus dem Auge: nämlich schöne Fotos aufzunehmen, statt nach der maximalen Unschärfeausbeute zu suchen. Für mich ist Bokeh ein elementarer Bestandteil des Looks, den ich mag, sodass ich unglaublich gerne und oft mit scharfen und unscharfen Ebenen arbeite. Besonders wenn nicht viel Zeit da ist, um das perfekte Foto zu schießen, nutze ich dennoch lieber mal eine kleinere Blende.

Lernen Sie Ihre Objektive kennen, auch in wechselnden Situationen, finden Sie heraus, wie groß die Schärfeebene bei verschiedenen Blenden ist - und experimentieren Sie! Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und Spaß dabei.

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